Terrassengarten

Der Terrassengarten von Kloster Kamp

1123 wurde die erste deutsche Zisterzienserabtei in Kamp am Niederrhein durch den Erzbischof Friedrich I. von Schwarzenburg und Abt Arnulf von Morimond (Frankreich) gegründet. Während der Bau der ersten Klosterkirche um ca. 1150 erfolgte und bis Ende des 17. Jahrhunderts nach mehreren Bauphasen und trotz vieler Kriegsunruhen eine prächtige Klosteranlage entstanden war, wurde ein erster Terrassengarten am Südhang des Kamper Berges erst während der Amtszeit des Abtes Edmundus von Richterich (1695-1715) im Jahr 1700 geschaffen.

Als dann Franziskus Daniels aus Grevenbroich sein Amt als Abt im Kloster Kamp (1733-1749) antrat, erteilte er 1740 dem Kamper Mönch Benedictus Bücken den Auftrag, gemäß der Ideen des Barocks den Terrassengarten neu zu gestalten:
Architektur, Treppen, Beete, Wege, Figuren und Wasserspiele sollten ein Gesamtkunstwerk bilden, wobei ein geplanter Wechsel von Standort und Licht die wichtigsten Gestaltungsgrundlagen sein sollten. 1747 fertigten August Querfurth / Ernst Ludwig Ceite einen Kupferstich von der Kamper Gartenanlage an, die in Vogelperspektive die Verwirklichung der barocken Gartengestaltung zeigt. Die Terrassenanlage war 5-stufig gemauert, wobei vier einschwingende Terrassen Sonnenlicht und Wärme sammelten. An Bepflanzung wechselten sich Obstbau und Taxus in Pyramidenform ab. An den Mauern befanden sich Spaliere mit Aprikosen, Pfirsichen und anderem Obst. Zierbeete umrahmten den Springbrunnen. Die beiden Orangerien - zum Überwintern der empfindlichen Pflanzen benötigt - waren beheizbar. Im unteren Teil des Gartens wurden quadratische Beete für Gemüse und Kräuter und Heckenbeete, ein ovaler Platz und ein Fischteich angelegt. Statuen schmückten die Treppen.

Nachdem 1794-1804 die französische Revolutionsarmee das Rheinland besetzte und 1802 auch Kloster Kamp im Zuge der Säkularisation aufgehoben wurde, verfielen Klostergebäude und Terrassenanlage zusehends. Der Enteignung entgingen nur die Klosterkirche und das östlich der Kirche gelegene Gebäude, das ehemalige Krankenhaus des Klosters, das nun zum Pfarrhaus bestimmt wurde, und deshalb bis heute erhalten geblieben ist.

1986 begann die Stadt Kamp-Lintfort - nach dem Vorbild des Kupferstichs von 1747 von A. Querfurth und E.L. Ceite - den Terrassengarten neu aufzubauen. Nach fast 5jähriger Bauzeit wurde der neue Terrassengarten 1990 mit einem Festakt in der Kamper Abteikirche eröffnet und zieht seitdem viele Besucher an, die sich an der wundervollen Anlage erfreuen. Auch zwei modern gestaltete Orangerien sind immer wieder ein Anziehungspunkt. Während in der östlichen Orangerie die Geschichte von Kloster und Terrassengarten erläutert wird, finden während des Sommers in der westlichen Orangerie von der Stadt Kamp-Lintfort organisierte Ausstellungen statt.